Dienstag, 9. Januar 2018

Geschenke vom Fuchsprinzen

Das wohl schönste Geschenk seit langer Zeit .....
Wir (der Doc und ich) lernten uns auch über das Buch "der kleine Prinz" kennen. Seither bin ich die Füchsin und er der Fuchs.
Nun bekam ich dieses wundervolle Geschenk.....

Sonntag, 31. Dezember 2017

Ja (hr)



„Was für ein verrücktes Jahr“ denke ich und merke schon beim denken des Satzes, dass die letzten Jahre alle verrückt, wild und bunt waren. Gut so !!
Dieses Mal kommt mir in den Sinn wie mein Umfeld mich wahrnimmt. Die Schnittmenge trifft sich  bei dem Satz „ich denke du bist ein sehr leidenschaftlicher Mensch“
Ja, dem stimme ich zu. Mit jeder Faser meines Seins bin ich dies. Ich kann ebenso Herzüberfüllt lachen wie weinen, kann schweigen mindestens genauso intensiv wie reden. Spüren so tief wie ignorieren.
Manchmal, ja manchmal denke ich, es wäre besser Emotionen nicht ganz so geballt zuzulassen, sie etwas mehr einzuteilen, vorsichtiger mit ihnen umzugehen…. Doch dies sind Gedankenhülsen, ohne Boden, ohne Wegbeschreibung, ohne Kompass. Weiß ich doch genau, dass es – für mich – undenkbar wäre.
So werde ich auch die nächsten Jahre genau so sein wie ich bin. Zuweilen etwas zu frech, zu wild, zu bunt, zu Emotionsgeballt, zu still, zu laut, aber niemals zu Ich !!


Montag, 11. Dezember 2017

the difference of a year




2017 startete etwas chaotisch. Nichts, was ich nicht kennen würde. Nichts, was in irgendeiner Weise neu für mich wäre. Dennoch war es, betrachtet man es im Ganzen, ein wenig strukturierter als 2016.
Mit Blessuren, aber strukturierter.
Ich werde meinen Rückblick ebenso strukturiert in Stichpunkten festhalten

- Beenden einer Beziehung die keine war
- Bildung einer neuen Freundschaft (m)
- Jobangebot bekommen und angenommen
- Tod von Ralfs Mutter
- Beenden einer intensiven Freundschaft (w)
- Tod von Ralfs Frau
- Komplettausfall für 2 Wochen
- Tod einer Tante
- und da es keine Zufälle gibt und irgendwer wohl dachte, ich habe genügend Tod gesehen in diesem Jahr, lernte ich einen Menschen kennen, der all dies wieder versöhnt und verbindet.
Er ist Internist auf einer ITS, Notfallmediziner.
Noch weiß ich nicht, was man mir damit zeigen möchte. Unsere Dienstpläne geben mehr als ein 1 x die Woche sehen nicht her. Vielleicht soll ich mich erinnern, dass es normal ist, nebeneinander wach zu werden. Diese  einfachsten Dinge wurden mir 2016 irgendwie genommen. Vielleicht soll ich ihnen wieder bewusst sein. Für was auch immer es gut sein wird,  Danke …


Tage wie dieser

(Post von Anfang Dezember.War in Entwürfe gelandet)


Seit geraumer Zeit ist B sehr unkoordiniert. Es fehlt ihr, neben anderen Dingen  – fast über Nacht kommend  – die Fähigkeit einen Löffel zum Mund zu führen, oder diesen zu halten. Es ist ihr unsagbar unangenehm, dass ihre Mitbewohnerinnen dies sehen wenn man gemeinsam am Tisch sitzt.
Heute fragte ich sie, ob sie lieber an dem kleinen Tisch – etwas abseits der Menge –sitzen mag und sie nickte weinend.
Ich setzte mich zu ihr und versuchte ihr etwas Essen zu reichen, was jedoch nicht gelang. Sie bat mich immer wieder ihr doch bitte zu helfen und mir wurde schnell klar, dass sie nicht das essen meint.
Zwischen „hilf mir“ und „bleibst du bitte bei mir?“ hin und her gerissen, trocknete ich ihre warmen, aus tiefstem Herzen kommenden Tränen.
H – eine weitere Bewohnerin - kam zu uns und fragte was sie denn habe. Ich schaute zu B, die nickte und so erklärte ich es  H in kurzen Worten.
H hatte in frühen Jahren ihr einziges  Kind verloren. Vorher misshandelt verstarb dies an einer Erkrankung die heute einen Routineeingriff darstellt.
H fragte B ob sie ihr essen geben darf und diese nickte weinend. Ich nahm mich etwas raus, ohne den Kontakt zu verlieren (wäre auch nicht gegangen, da b mich noch immer fest hielt)
H nahm den Löffel, füllte ihn und reichte B diesen zum Mund. Man konnte förmlich spüren, das H in B ihr Kind sah. Als sie dann B’s Wange streichelte und sagte „wer hat dir das nur angetan“? war klar, dass ich es mir nicht einbildete.
Nun passierte etwas, was unprofessioneller nicht hätte sein können. Ich weinte. Mir kullerten ebenso warme und tiefe Tränen über die Wangen wie B , gefolgt von H…..

So viel zu „du machst das immer so klasse“…..Auch ich mache manchmal Dinge die unprofessionell und unpassend sind!

Samstag, 25. November 2017

Rituale

Rituale
Seit 8 Monaten nun, bringe ich im Spätdienst unsere Damen zu Bett.
Jedes „Gute Nacht“ hat ein individuelles Gesicht. Während W immer ein „Schlaf gut meine Knutschmurmel“ zum Gute Nacht Kuss bekommt, will D nur eine Umarmung und das ich auf die Kinder aufpasse. A redet ohne Punkt und Komma und legt sich meist mitten im Monolog hin und schläft schon ehe ihr Kopf das Kissen berührt. Es gibt sie nur AN oder AUS.
„Meine“ R ist einfach meine R. Meist erzählen wir uns noch etwas vom Tag, dann sage ich ihr das ich sie lieb habe, gebe ihr einen Gute Nacht Kuss und decke sie zu.
Ähnlich ist es bei B, eine tolle Frau. Sie war, als sie noch gesund war, politisch sehr aktiv. War in Frauenrechtsgruppen, gab Vorlesungen an der Uni.
Seit 12 Jahren geht dies nicht mehr. Ein Verschluss im Gehirn und eine Alzheimer Diagnose taten alles, damit sie all dies nicht mehr kann. Seit ich sie kenne, hat sie noch nie einen (für uns andere) Sinntragenden Satz am Stück sagen können, dessen Bedeutung ihr auch bewusst war. Heute beim zu Bett gehen kam sie mir und meinem Ritual zuvor. Als ich sie zudeckte und mich zu ihr beugte um ihr den Gute Nacht Kuss zu geben, sah sie mich an und sagte mit fester Stimme „Ich hab dich lieb“
Mein Ritual war ihr bewusst und die Bedeutung des Satzes ebenso…..

Unbezahlbare Momente.

Montag, 11. September 2017

unforgettable moments


Ich liebe meinen Job !
Ja, er ist meist unterbezahlt. Ja, man muss im Schichtdienst arbeiten. Ja, man muss an Wochenenden und Feiertagen arbeiten. Ja, es ist von 8, 10 und 12 Stunden Schichten die Rede, von Überstunden, Wechseldiensten und und und. Und ja, dadurch verlagert sich so einiges.
Es gibt zweierlei Reaktionen auf meine Antwort zur Frage „was machst du beruflich?“
Die einen (zugegeben der Großteil) sagt „Respekt“
Der zweite, kleinere Teil hält sich in oberflächlichem Hochachtungsgeplänkel, denkt jedoch „so ein Scheißjob. Ich würde nie für so wenig Kohle arbeiten. Hättest ja was gescheites lernen können etc.“ Und diesen Menschen ist auch gut daran, nicht in solche einem sozialen Bereich tätig zu sein.
Hier braucht es Menschen, keine „was kommt unterm Strich für mich dabei raus“ Rechenmaschinen. Sicher, jeder muss seinen Lebensunterhalt finanzieren, doch dies kann man durchaus mit dem Gehalt der Pflege.
Ob diese Jobs (PFK, KP, PH)besser bezahlt sein müssten, steht auf einem ganz anderen Blatt.
6: 45 Uhr: Dienstbeginn (offiziell, also ab da wird bezahlt, aber ab da ist man meist schon 30 Minuten vor Ort auf den Beinen)
3 von 9 sind bereits wach
A) was machen wir denn jetzt?
B) Ich habe nicht geschlafen
C) Läuft derweil in Schlüpi und Socken im nassen Gartenrasen herum
ich beruhige A, während ich B die Hand reiche die daraufhin anfängt zu weinen, da sie nach Hause möchte.
C winke ich zu, sie lächelt – zu meinem Glück - ob meiner Anwesenheit und kommt langsam zurück ins Haus, während sie auf dem Weg zur Terrassentür, noch die frisch in Kästen gepflanzten Stiefmütterchen für mich pflückt.
Ich hoffe die drei in der Küche an einen Tisch zu sammeln, ihnen Kaffee zu geben, damit etwas Ruhe einkehrt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Immerhin bei A und B klappte es.
C versorge ich also mit der täglichen Pflege. Gerade unter der Dusche höre ich D mit dem Treppenlift kämpfen, der laut AUSSAGE wiedermal kaputt ist. Ich lasse c kurz im Bad, gehe zu D um ihr zu sagen, dass sie nach UNTEN drücken muss, nicht nach OBEN, da der Lift ja schon oben sei. Ich bin also auch Haustechiker. Wieder bei C bekomme ich die Quittung für’s kurz alleine lassen, in dem sie mich anmotzt ich habe kein Schnitzelfleisch gekauft. Ja, ich musste zugeben, habe ich nicht. Entschuldige bitte liebe C. Sie verzieh mir, sagte aber, ich solle morgen dran denken. Versprochen!
E und F sind beim Aufstehen auf Hilfe angewiesen, somit wenigstens nicht auf Trebe. Was jedoch einen Mehraufwand in der täglichen Pflege abverlangt. Lagerung alle 2 Stunden, vom Bett in den PRS heben etc. G und H sind Langschläferinnen, was die Arbeit etwas erleichtert, da sie gerne bis 9: 30 schlummern. Wer Nacht‘s feiert, darf in der Früh ausschlafen. WG Regel! (Allerdings nur für die Bewohner, nicht für’s Personal)
I ist weitgehend selbständig, was Pflege betrifft. Ein „dabei sein und helfen“ reicht aus. Kostet aber zum Teil mehr Zeit, da jeder Schritt – täglich – neu „erlernt“ sein will.
Es ist 9 Uhr und alle außer G und H sitzen am Frühstückstisch. Während man zwei Bewohnern Essen anreichen darf, versucht man den anderen Brötchen nach Wunsch zuzubereiten. Kaffee schwarz, mit Milche, mit Zucker, mit Milch und Zucker, nein lieber Tee, aber nicht den grünen, lieber Orange oder Kirsch und ja, ich mag auch Honig, oder doch Marmelade? Ich will Käse sagt B und klaut ihn von I’s Teller.
Irgendwann sind alle halbwegs zufrieden. Nun werden G und H wach. Noch rasch die Medis an die schon satten Bewohner verteilt und die beiden Langschläferinnen duschen.
Berge an Wäsche warten mittlerweile. Täglich 3-4 Handtücher pro Person, Wachlappen, Tag-Kleidung – ca. 2 x umziehen täglich- sowie Schlafanzüge. Insgesamt 7-8 Maschinen Wäsche pro Tag. Gut wer gleich 2 große Trockner hat. Betten machen und frisch beziehen gehört ebenso täglich zum Geschäft.
Ich könnte ewig so weiter schreiben, denn wir haben gerade mal erst 10 Uhr.
Ich kann nur für mich sprechen, doch es gibt so viele Momente, in denen ich weiß, dass ich nichts anderes tun möchte, als genau das.
Einer dieser Momente war heute.
Ich suchte R, die wie vom Erdboden verschwunden schien und fand sie in der äußersten Ecke ihres Zimmers, welches sie Tagsüber nur sehr selten betritt. Sie lag mit den Beinen über der Lehne auf ihrem Ledersessel, still, in sich gekehrt und fast abwesend.
Ich fragte ob ich rein kommen dürfe, was sie mir mit einem Lächeln und Nicken beantwortete.
Ich setzte mich zu ihr und nahm sie still in den Arm. Ihr kullerten Tränen die Wange entlang und wir schauten eine gefühlte Ewigkeit gemeinsam einfach aus ihrem Fenster.
Dann sagte sie: weißt du, das war doch früher nicht so, - sie klopfte sich dabei mit der Hand an die Schläfen - da ging doch noch alles. Wir müssen das wieder hinbekommen, dass das wieder geht.
Wir haben das doch schon einmal geschafft, dass es wieder ging. Vor ein paar Jahren, da hast du mir auch geholfen und dann ging es bis gestern gut. Heute ist wieder alles anders.
Wir sprachen noch so lange, bis sie alles erzählt hatte. Dann sagte sie: „Jetzt können wir wieder runter gehen, gibts heute nicht Schnitzel zu Mittag? Mir war so“


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The other side „Ich muss dich noch dringend etwas fragen. Hast du Zeit ?“ höre ich sie fragen. Die Kolleginnen der Spätschicht waren bereits da. Übergabe bereits gemacht. Ich könnte gehen, Feierabend. „Ja, ich habe Zeit, jede Menge“ antworte ich und wir setzen uns in die Küche. R fragt mich warum sie denn nun nicht nach Hause könne. „Er hat das ja gesagt, wir haben das ja besprochen, aber nun könnte ich doch wieder da hin wo ich wohne“ sagt sie und meinte K, ihren Mann und die damals gemeinsame Wohnung. „Weißt du, ich bin halt –sie zeigt sich selbst einen Vogel- blöd, das weiß ich ja. Aber ihr macht so viel hier und ich……das hat doch keinen Wert. Ich frage sie, was keinen Wert habe und sie antwortet „ Ich…ich habe keinen Wert mehr“ Ich koche uns einen Kaffee und wir teilen uns ein Stück Käsekuchen, wir reden und ich trockne Tränen…… Es gibt eben auch Gespräche die ohne Lachen ablaufen, aber deswegen nicht weniger Tiefe haben. Selbstreflektion in ihrer Perfektion

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An Tagen wie diesen………. R., die ich - nachdem ich das Haus abgesucht hatte - im Garten auffand, stand glücklich wirkend einfach da. Die Arme weit auseinander gerissen nach oben gestreckt, Augen geschlossen, lächelnd. Als sie mich zu ihr laufen hörte, winkte sie mich zu sich heran. „Das musst du mal machen“ sagt sie und alles in ihrem Gesicht wirkt so unendlich zufrieden und im eins. Ich stelle mich also – des Stresses der drinnen auf mich wartet und dessen ich mir bewusst war- einfach neben sie, breitete meine Arme aus, schloss meine Augen und streckte mein Gesicht zur Sonne. Momente die mich erden wie kaum anderes im Leben. Augenblick nach innen gerichtet, auf das was wirklich zählt. Eine Sekunde wirkt wie eine Stunde. So still, so warm, so unendlich endlich! Als ich die warmen Sonnenstrahlen spüre, den Garten und den Straßenverkehr komplett weggeschaltet hatte, donnert R. mir ins Ohr „my Bonnie is over the ocean, my Bonnie is over the sea….“ gefolgt von „weiter weiß ich nicht mehr, dann können wir ja auch wieder rein gehen“

Dienstag, 11. Juli 2017

Freunde


In den letzten Monaten verließ ich 2 Menschen.
Beide, da sie sich nur selbst sahen.
Man kennt diese plakative „und bei dir so?“ Frage.
Eine Frage des Anstandes wegen. Sehr schnell weiß man,
dass bei einer Antwort schon das Gehör des Gegenübers auf OFF gestellt ist.
Es geht diesen Menschen darum sich selbst zu präsentieren.
Wo der/die eine auf Dramaqueen macht - ein Verhalten das mich sehr an meinen Vater
erinnert -, kennt der/die andere nur Geschichten die voll mit ihr als Superheldin sind.
Geht etwas schief wissen beide sofort wer Schuld trägt. Die anderen. Immer.
Hochmütig geben sie sich bei Kleinigkeiten. Gestehen ganz offen Fehler ein.
Jedoch ohne Konsequenz zur Änderung, sondern lediglich, um ihre Vorwürfe
zu untermauern mit dem „guten Gefühl“ Fehler zugeben zu können, wären es denn die eigenen.

Was mich mit beiden verband? Lachen. Ich konnte mit beiden lachen. Lachen ist wichtig.
Lachen hilft jedoch nicht wenn du einen Menschen wirklich brauchst. Denn auch unser Lachen galt - jedenfalls bei einer der beiden - nie gemeinsam erlebten, sondern zum Großteil dem lachen über andere.
Was ich an mir im Nachhinein nicht verstehe, ist warum es mich doch relativ lange dort hielt.
Warum ich es nicht ansprach, als ich spürte dass es mir zu monothematisch ist.
Ich stelle an/bei mir fest, dass ich oft etwas länger brauche als vielleicht andere um mich zu öffnen.
Vor allem aber brauche ich den Raum, die Zeit dafür. Nimmt ein Mensch diesen Raum und somit meine Zeit, hat weder mein Kopf noch mein Herz die Möglichkeit zuzulassen.
Dem Gegenüber fällt dies sowieso –wenn überhaupt –nur am Rande auf. Es geht ihm/ihr ja um sich.

Ich habe aber die letzten Monate auch sehen dürfen was Freundschaft wirklich ist. Ein Freund, der Mann einer Kindheitsfreundin zu der ich noch immer sehr guten und tiefen Kontakt habe, bekam Anfang des Jahres eine Krebsdiagnose. Heute früh verstarb er. Es gab/gibt eine Whatsapp Gruppe seit Anfang der Diagnose. Sie fasst 50 Mitglieder. AKTIVE Mitglieder. Es gab Hilfe aus allen Ecken des Landes. Egal ob nah dran lebend, oder Kilometer weit weg. Alle waren und sind da !

Mach‘s gut Hermann. Wir alle passen nun auf deine Shirley auf, auch wenn keiner dich ersetzen kann.